Erwartungen

Wenn man sich auf den Weg der persönlichen Entwicklung begibt, tendieren manche Themen dazu, sich regelmäßig mit unterschiedlichen, manchmal sogar diametral entgegengesetzten Ansätzen und Blickwinkeln zu präsentieren. Auf verschiedene Quellen zurückgreifen, sie mit der eigenen Reflektion konfrontieren, in die Selbstbeobachtung gehen und nachspüren, was richtig und im Einklang mit dem tiefen Selbst schwingt und dieses Neuerworbene auf dem Spielfeld des Lebens ausprobieren, das alles macht den Weg so spannend!

Wellness und Erwartungen

Kürzlich habe ich einen Online-Kurs absolviert, der sich ganz der Wellness widmete. Der Autor untersuchte die Aspekte unseres Wohlbefindens im weitesten Sinne des Wortes. Er teilte seine Gedanken zu so unterschiedlichen Themen wie Energie und Motivation, Beziehungen, persönlichem Beitrag, Vernachlässigung, Unzufriedenheit, Loslassen und Erwartungen.

Naobim – Pixabay

Unbewusste und nicht realisierte Erwartungen sind tatsächlich ein Stressfaktor in unserem Leben. Die Umstände entsprechen nicht immer unseren Erwartungen und manches verläuft auch nicht nach Plan.

In seinem Vortrag hob der Coach einerseits hervor, wie wichtig es ist, seine Erwartungen zu identifizieren und mit ihnen umzugehen. Andererseits erklärte er die Notwendigkeit, seine Erwartungen zu Beginn eines jeden Lebensprojekts, sei es privat oder beruflich, mit den jeweiligen Beteiligten zu teilen, um so effektiv auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Übrigens ist dies eine großartige Möglichkeit, die Kommunikation zu verbessern und eine Verbindung herzustellen.

Es geht also darum, sich zu fragen « Was sind meine Erwartungen? » und „Sind sie realistisch?“. Viele unter uns erwarten, dass alles immer perfekt und reibungslos läuft. Wenn es dann mal nicht der Fall ist, sind Enttäuschung, Wut und Ärger vorprogrammiert.

Loslassen, Akzeptanz und so weiter …

Zunächst kam ich auf den sehr vereinfachten Schluss, dass es ausreicht, mich von meinen Erwartungen zu lösen, um glücklicher zu leben. Das Ergebnis loslassen und das Vorhandene akzeptieren, getreu dem Credo dieser Seite.

Mit dieser Vision hätte ich noch eine Zeit lang fortfahren können und daran wäre sicher nichts Verwerfliches gewesen. Aber heute hatte ich das Glück eine neue Inspiration zu erhalten, die dem Ganzen eine weitere Nuance hinzufügt, einen beträchtlichen Mehrwert, der mich nicht nur gelassener, sondern auch langfristig effektiver und zufriedener werden lässt.

Meine erste Überlegung wirft eine Reihe von Fragen auf. Genügt es tatsächlich zu akzeptieren, dass man sein Ziel nicht erreicht hat? Muss man sich lediglich damit abfinden? Fährt man dann mit dem nächsten Projekt fort, ohne sich Gedanken über die Lektion zu machen, einfach davon ausgehend, dass es halt nicht so sein sollte? Und woher hole ich mir dann die Kraft und die Motivation, Dinge in Bewegung zu setzen und das Beste zu geben, wenn ich mich von Anfang an vom Resultat distanziere? Dann kann ich doch ebenso gut nichts tun, oder?!

Also was tun ?

Wenn wir uns zu Beziehungen und Projekten ohne Erwartungen und ohne den Wunsch nach Ergebnissen positionieren, bleiben wir in einem Bereich, der weit unter unserem Potenzial liegt. Es ist eine Art und Weise, die Vergangenheit in die Gegenwart zu projizieren und zu sagen: „Ich habe es bisher nie geschafft, also erwarte ich auch jetzt keinen Erfolg. Zumindest werde ich dann nicht enttäuscht.“ So berauben wir uns aber der uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und des möglichen Glücks, das sich daraus ergibt. Unser Wunsch, im Hier und Jetzt zu sein, sollte nicht auf die Angst vor Enttäuschung beruhen.

Wie gehen wir also mit Erwartungen um, damit sie einem höheren Zweck dienen? Wir können uns dem Zyklus der Erwartungen eindeutig nicht entziehen. In gewisser Weise erzeugen wir, wenn wir uns von unseren Erwartungen lösen, unterschwellig die Erwartung, nichts zu erwarten! Wie kann man in diesem Fall die Angst, das erwartete Ergebnis nicht zu erreichen, positiv einsetzen? Diese Frage nach der Angst bringt uns zum Kern der soft and fearless Webseite zurück.

Das Spiel spielen

Da wir aus dem Spiel der Erwartungen ohnehin nicht herauskommen, lass uns noch tiefer in dieses Spiel eintauchen! Machen wir uns die Kraft unserer Erwartungen zu Nutze, indem wir sie als kraftvolle Absichten einsetzen, um das zu manifestieren, was wir in unserem Leben wollen.

Klar, spirituell gesehen sollten wir uns von jeglichem Wunsch befreien, um zur Erleuchtung zu gelangen. Aber wir sind nun mal mitten in einer menschlichen Erfahrung, von unserer Seele ausgesucht, um Dinge zu erfahren, die sie nur hier erleben kann. Also wenn wir nicht gerade auf Erleuchtung am Ende dieser Inkarnation abzielen, lasst uns das Spiel des Lebens so spielen, wie es ursprünglich beabsichtigt war …

Wir können uns zwar nicht vollständig von allen Erwartungen befreien, aber wir können dazu beitragen, ihre Auswirkungen zu verringern, indem wir uns ihren Schatten widmen: die Angst vor Enttäuschungen. Sehen wir also vergangenen Enttäuschungen ins Auge und der Angst, die sie hervorrufen, um so etwas Positives daraus entstehen zu lassen.

Es geht darum, den Mechanismus der Erwartungen zu meistern. Enttäuschung muss nicht unbedingt mit einem Gefühl des Versagens einhergehen. Sie kann wie ein Signal gedeutet werden, dass wir uns vor einer möglichen Potenzialentfaltung befinden, die Chance alte Grenzen zu überschreiten. Vielleicht haben wir einen Punkt erreicht, der uns ermöglicht, etwas zu lernen, zu wachsen und uns weiter zu entwickeln. Wenn wir etwas manifestieren wollen und es nicht einsetzt, kann es einen höheren Grund dafür geben und die Nichterfüllung muss unser Glück nicht unbedingt negativ beeinflussen.

Zumindest ermöglicht uns diese Sichtweise, alle Anstrengungen zu unternehmen, um ein festes Ziel zu erreichen, eine gesunde Motivation aufrechtzuerhalten und unseren Bemühungen, aber auch der Nichterreichung bestimmter Ziele, einen Sinn zu verleihen. Und wenn es Enttäuschungen gibt, liegt es an uns, sie positiv zu betrachten. Und überhaupt, was kann denn schlimmstenfalls passieren?

Das erinnert mich an eine Frage von Susan Jeffers aus ihrem Buch „Selbstvertrauen gewinnen“: Wie wichtig wird das noch in 10 Jahren sein?

Und du, was denkst du ?

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